Update 2025: KI-Euphorie, Markt-Konzentration und die vergessenen Chancen

Zu Jahresbeginn schrieb ich: You can’t predict, you can prepare. Zeit für ein Update. Die ideale Vorbereitung bedeutete: US-Exposure reduzieren, währungs- wie aktienseitig, und europäische sowie Emerging-Markets-Aktien, vor allem China, aufstocken. Wer das getan hat, kann mit der bisherigen Performance sehr zufrieden sein. Im bisherigen Jahresverlauf 2025 blieben US-Aktien hinter vielen internationalen Märkten zurück, und das sowohl in Lokalwährung als auch in USD (Chart 1).

Chart 1: Globale Aktien seit Jahresbeginn

Ein Teil der Wahrheit lautet allerdings auch: Wer im April den Kurseinbruch der US-Tech-Giganten nutzte, um wieder in Big-Tech einzusteigen, steht heute vermutlich noch besser da. Denn die Dominanz der amerikanischen Schwergewichte ist inzwischen größer als Ende 2024. Die „Mag 7“ haben das von Trump ausgelöste Zollchaos abgeschüttelt wie eine kurze Grippe, die Erwartungen der Analysten übertroffen und ihr beeindruckendes Gewinnwachstum fortgesetzt. In einem Umfeld mit schwachem globalen Wachstum (siehe Chart 4) tolerieren Anleger hohe Bewertungen und verschieben kritische Fragen zur Rentabilität der massiven Datacenter-Investitionen in die Zukunft.

Die folgenden Charts illustrieren die positive Entwicklung von US-Aktien, insbesondere jene mit KI-Bezug.

Chart 2: US-Aktien dominieren die Welt
Chart 3: Aktien mit KI-Bezug dominieren in 2025
Chart 4: Gewinnwachstum des S&P500 hauptsächlich durch Mag 7 getragen

Viel Kapital fließt in Datacenter, Mag 7 werden zunehmen „asset heavy“.

Chart 5: CAPEX der Mag 7 vs. Rest (ex-financials)

Datacenter Investments bald vermutlich höher als Office Construction Investments

Chart 6: Data-Center vs. Büroinvestitionen

Investoren glauben an den Boom, und die Kursentwicklung im zweiten Quartal 2025 trägt bereits Züge von Spekulation.

Chart 7: Nach Liberation Day stiegen Momentum- und Aktien mit niedriger Qualität am meisten

Fundamental ist der US-Markt so teuer wie lange nicht mehr

Chart 8: S&P500 Kurs-Buchwert-Verhältnis
Chart 9: S&P500 Kurs-Gewinn-Verhältnis
Chart 10: S&P500 historisch teuer in 19 von 20 Bewertungskennzahlen

Der Markt wird inzwischen von nur wenigen Titeln getragen. Für passive Investoren entsteht dadurch ein Problem: Wer den Index kauft, diversifiziert sein Risiko nicht mehr wirklich. Die folgenden Charts zeigen den inversen Herfindahl-Hirschman-Index – ein Maß, das sonst von Wettbewerbsbehörden genutzt wird, um die Marktkonzentration in Branchen zu messen. Übertragen auf Aktienindizes zeigt er, wie viele Einzeltitel nötig sind, um die Diversifikation des gesamten Index nachzubilden. Aktuell reichen beim MSCI World schon 100 Aktien aus – ein deutliches Zeichen für die zunehmende Dominanz weniger Schwergewichte.

Chart 11: MSCI World: Konzentration auf wenige Aktien
Chart 12: S&P500: Konzentration auf wenige Aktien
Chart 13: S&P500: Enormes Gewicht der Top 10

In meinen letzten Artikeln habe ich bereits auf die zunehmende Indexkonzentration hingewiesen und wie die Grafiken zeigen, hat sich die Situation weiter verschärft. Die Top-Titel sind historisch hoch gewichtet (Chart 13). Mit dieser Dominanz steigt zwangsläufig auch das Risiko eines Rückschlags. Allein Nvidia macht inzwischen 8 % des S&P500 aus – ein historischer Rekordwert für ein einzelnes Unternehmen. Doch bislang endeten Rücksetzer der Mag 7, wie Ende 2022 oder auch in diesem Jahr, stets in mustergültigen Erholungen. Ein wahrscheinlicher Grund: ETF-Zuflüsse fließen automatisch in die Indexschwergewichte und verstärken deren Dominanz. Hinzu kommt ein generationenbedingter Optimismus. Wer jünger als 40 ist, hat in seiner Karriere noch keine echte Baisse erlebt; unter 55-Jährige kennen die Dotcom-Blase höchstens aus Jugendtagen. Die Erfahrung der Finanzkrise verblasst, und „Buy the Dip“ hat sich als Erfolgsstrategie eingebrannt. Privatanleger haben deshalb während der letzten Korrekturen häufig besser abgeschnitten als Profis.

Chart 14: Buy-the-Dip bei Retail, Zurückhaltung bei Profis

Fundamental sind die großen Tech-Konzerne so profitabel wie nie und übertreffen ihre Gewinnschätzungen Jahr für Jahr. Wenige Gewinner in einer stark vernetzten Welt können länger dominieren, als es Indexschwergewichte in der Vergangenheit taten. Gleichzeitig mahnt die extreme Konzentration zur Vorsicht. Die Kurs-Gewinn-Verhältnisse liegen teilweise noch unter historischen Blasen wie in der Nifty-Fifty-Ära, doch Blasenbildung kann auch über die Gewinne selbst entstehen. Sind diese nicht nachhaltig, helfen auch niedrige Multiples nichts. Derzeit wirken die Gewinne der Mag 7 robust (siehe Chart 4), aber Risiken bleiben.


Die Geschichte liefert genügend Beispiele, wie Regulierung scheinbar unaufhaltbare Konzerne zu Fall brachte. Standard Oil und die American Tobacco Company wurden 1911 zerschlagen, AT&T musste 1984 sein Monopol im Telefonnetz aufgeben. Selbst Microsoft stand Ende der 1990er Jahre kurz vor einer Aufspaltung – nur politische Deals verhinderten das Auseinanderbrechen. Heute ist das Thema wieder hochaktuell: Das US-Justizministerium arbeitet an einer möglichen Google-Zerschlagung, und eine Mehrheit der Bevölkerung befürwortet diesen Schritt. In Europa erhöhen drohende Digitalsteuern den Druck, Frankreich hat mit der GAFA-Steuer bereits vorgelegt. Zusammen mit überdimensionierten KI-Investitionen und einer möglichen Neubewertung durch die Märkte ergibt sich daraus ein gefährlicher Cocktail. Der Satz „This time is different“ war an der Börse häufig ein teurer Irrtum und sollte auch diesmal nur mit höchster Vorsicht angewandt werden.

Bei aller berechtigten Vorsicht gilt auch: Die großen Tech-Konzerne sind enorm profitabel, und KI verändert die Welt mit Effizienzgewinnen in der Praxis, die wir (nicht die Börse) vermutlich immer noch unterschätzen. Wo echte Disruption entsteht, ist fast zwangsläufig auch Raum für eine lang anhaltende Übertreibung nach oben. Alan Greenspan warnte 1996 vor der Dotcom-Blase mit seinem berühmten „irrational exuberance“ – inhaltlich richtig, aber vier Jahre zu früh. In dieser Zeit kannte der Markt nur eine Richtung: nach oben. Wer zu früh an der Seitenlinie wartet, verpasst oft das Entscheidende.

Chart 15: Irrational Exuberance

Es können also auch überteuerte Aktien noch teurer werden – und das über Jahre hinweg. Ein berühmtes Beispiel erwähnen KochBank Research in ihrem neusten Newsletter: Julian Robertson, der Gründer von Tiger Management. Er erkannte die Dotcom-Blase früh und shortete Tech aggressiv. Das Problem war das Timing: Die Aktien blieben nicht nur irrational teuer, sie gingen „magnificently, historically insane“. Der NASDAQ verdoppelte sich, nachdem Robertson seine Wetten platzierte. Im März 2000 musste er seinen Fonds schließen – exakt in dem Monat, in dem der NASDAQ seinen Höhepunkt erreichte. Robertson bleibt trotzdem eine Legende: Über fast zwei Jahrzehnte erzielte er >30 % Rendite pro Jahr und legte damit den Grundstein für die berühmten „Tiger Cubs“.

Meist sind es also genau diese Hype-Aktien, die Rekorde brechen. Doch die reine Spekulation auf immer weiterlaufende Kurse halte ich für keinen tragfähigen Ansatz. Mit steigender Bewertung wächst die Fallhöhe. Ich bin überzeugt: Der wirkliche KI-Gewinner von morgen ist auch zu aktuellen Kursen noch investierbar und er wird in seine Bewertung hineinwachsen. Gleichzeitig werden aber viele der angeblichen „zukünftigen KI-Gewinner“ die in sie gesetzten Erwartungen nicht erfüllen. Welche Titel am Ende gewinnen oder verlieren, lässt sich schwer vorhersagen. Ich bin jedoch überzeugt: Nur wenige Firmen werden ihrer heutigen Bewertung gerecht werden. Das Chance-Risiko-Verhältnis im Sektor wirkt unattraktiv. Dass Märkte Unternehmen falsch einpreisen können, haben wir erst kürzlich bei den „Covid-Gewinnern“ im Kleinen erlebt.

Chart 16: Vom Covid-Gewinner zum Kursdesaster

Dauerhaften Kapitalverlust gilt es zu vermeiden. Mit steigenden Erwartungen – und damit steigenden Bewertungen – wächst auch die Gefahr hoher Verluste. Wer Perfektion bezahlt, kann kaum noch positiv überrascht werden. Investieren mit Sicherheitspuffer funktioniert nur über eine vernünftige Bewertung, denn der Gewinn (oder zumindest der vermiedene Verlust) liegt im Einkauf.

Doch welche Segmente sind interessant?

Equal Weight

Für Anleger, die breit streuen wollen, bietet sich die Equal-Weight-Variante an, auf die ich bereits in vorherigen Blogartikeln hingewiesen habe. Auf lange Sicht hat sich dieser Ansatz besser entwickelt als die herkömmliche Marktkapitalisierung. Solange die KI-Party läuft, hinkt man damit zwar hinterher, doch gegen Rückschläge bei den Indexschwergewichten ist man so besser gewappnet und profitiert bei einem Trendwechsel.

Chart 17: Equal-Weight Index – Outperformance über Zeit, Underperformance zuletzt

Kleine Aktien

Spannend sind auch Small Caps, die im Vergleich zu Large Caps weiter schwächeln und zuletzt erneut hohe Abflüsse verzeichnet haben. Die von Fama/French dokumentierte und an den Unis hoch und runter gebetete Überrendite kleiner Titel ist seit Jahren verschwunden. Doch je unbeliebter und günstiger diese Aktien werden, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit für eine Trendumkehr. Sollte es im September wie vom Markt erwartet zu Zinssenkungen kommen, dürfte dies insbesondere Small Caps unterstützen.

Chart 18: US Small Caps vs. Large Caps so schwach wie zuletzt vor der Dotcom-Blase
Chart 19: US Small Caps with record Outflows

Emerging Markets

Auch die Emerging Markets bleiben interessant: 2025 sind sie bereits stark gelaufen, dennoch im historischen Vergleich weiterhin günstig bewertet. Bei schwachem Dollar profitieren viele Schwellenländer zusätzlich, da sie überwiegend in US-Dollar verschuldet sind. Dazu kommt strukturell höheres Wachstum, getrieben durch weniger Regulierung, schwächere Sozialstaaten und günstige Demografie. China ist die Ausnahme: Schrumpfende Bevölkerung, Immobilienkrise, Middle-Income-Trap und geopolitische Unsicherheit (Stichworte Russland, Taiwan, Drohungen um ADR-Delisting in den USA) rechtfertigen einen Bewertungsabschlag.

Trotzdem ist China ein gutes Beispiel für erfolgreiche Antizyklik. Investoren mussten eine lange Durststrecke durchstehen, wurden dann aber belohnt. Auf Drei-Jahres-Sicht liegt der Hang Seng Index inzwischen fast gleichauf mit dem S&P 500. Wer vor einem Jahr investierte, sitzt heute trotz unverändert trüber oder sogar noch schlechterer Fundamentaldaten (inklusive des Zollstreits Anfang 2025) auf noch höheren Gewinnen als beim US-Investment. Der Markt war schlicht zu negativ, die Bewertungen zu niedrig. Der Vorteil in solchen Phasen: Das Downside-Risiko ist begrenzt, weil die schlechte Nachrichtenlage bereits in den Kursen steckt. Selbst kleine positive Überraschungen können dann überproportional wirken.

Chart 20: Hang Seng schlägt S&P500 auf Jahressicht

Unbeliebte Branchen

Nicht alle Sektoren profitieren vom Aufschwung: Manche Branchen sind trotz Rekordmärkten bei Anlegern unbeliebt. Gründe dafür gibt es viele, von schwacher Nachfrage bis zu den Trump-Zöllen. Aber der Reihe nach.

Chemieaktien

Ob in Bau, Landwirtschaft, Kosmetik, Medizin oder Verpackungen – die Produkte der Chemieindustrie sind überall präsent. Und doch befinden sich Chemieaktien aktuell in einer Krise. Man könnte sogar von einem perfekten Sturm sprechen: Kaum eine Branche verbraucht so viel Energie, gleichzeitig lasten restriktive ESG-Vorgaben, der Ukraine-Krieg mit der Folge hoher Gaspreise und großer Unsicherheit, die allgemeine wirtschaftliche Schwäche sowie geopolitische Spannungen auf den Unternehmen.

Die schwache Auftragslage, kombiniert mit schwierigen Standortbedingungen (Grüße nach Ludwigshafen), drückt die Gewinne und hat die Aktienkurse vieler Chemiewerte regelrecht in den Keller geprügelt. Einige notieren inzwischen sogar unter dem Wert der in der Bilanz geführten Fabriken. Zwar sehen die GuVs aktuell wenig erfreulich aus, doch die Chemiebranche war schon immer zyklisch und ein strukturelles Nachfrageproblem ist nicht auszumachen.

Aktien von Unternehmen mit starkem Management und guter Krisenbewältigung dürften sich daher mittel- bis langfristig als sehr aussichtsreiches Investment erweisen. Aufgrund der wirtschaftlichen Gesamtsituation ist allerdings weiterhin Geduld gefragt. Ermutigend: In den vergangenen Wochen gab es zahlreiche Insiderkäufe (Hier Newsletter für deutsche Insiderkäufe abonnieren) – in Deutschland etwa bei Symrise, K+S, Wacker Chemie, Evonik und FUCHS. International sind u.a. Celanese, Arkema und LyondellBasell zu nennen (bei letzterem gab es kürzlich allerdings auch einen größeren Verkauf). Wer tiefer einsteigen möchte: Hosking Partners hat hierzu einen lesenswerten Artikel (Metamorphosis) veröffentlicht.

E-Commerce

Kommen wir zum nächsten ausgebombten Sektor: E-Commerce. Auch hier wehte ein heftiger Sturm. Viele Titel galten während der Pandemie als klare Gewinner und wurden dank hoher Wachstumsraten in den Himmel gehoben. Covid hat den Onlinehandel zweifellos beschleunigt, doch auf die Euphorie folgte der Kater: zahlreiche Aktien rauschten ab. Gründe waren Übertreibungen in der Bewertung, rückläufiges Wachstum, hohe Containerpreise, überschüssige Lagerbestände und zu viel Personal nach überoptimistischen Prognosen. Zusätzlich verschärft die Flut billiger Produkte aus China (Temu und Shein lassen grüßen) den Druck auf die Branche, da sie direkt an Endkunden liefern und Plattformen umgehen.

Viele Investoren haben sich in diesem Umfeld die Finger verbrannt und 2022 dem Sektor den Rücken gekehrt. Mit unserer M&A-Firma Sellside Partners sehen wir diese Ernüchterung an vorderster Front. Doch der langfristige Trend ist intakt: Immer mehr Konsumenten bestellen online. Verschiedene Quellen erwarten für den globalen E-Commerce-Sektor in den nächsten fünf Jahren ein jährliches Wachstum zwischen 10 % (Statista) und 15 % (Zion Research).

Beispiele: Westwing, einer der europäischen Marktführer für den Möbelversand, hat fast 9 Mio. Instagram-Follower und dürfte ab 2026 wieder auf den Wachstumspfad zurückkehren. Nachdem die Aktie jahrelang bei rund 8 € stagnierte, liegt sie 2025 bereits 50 % im Plus. Hellofresh liefert Kochboxen direkt an die Haustür und ist damit sogar Marktführer in den USA. Zalando ist europäischer Marktführer für Online-Fashion und konnte seine Umsätze kontinuierlich steigern. Das Unternehmen wandelt sich vom reinen E-Commerce-Händler zur Fashion-Plattform und bietet über seine Division ZMS (Zalando Marketing Services) gesponserte Platzierungen für Marken auf Website und App an – mit deutlich attraktiveren Margen.

Chart 21: Kursentwicklung führender deutscher E-Commerce-Firmen

Bemerkenswert: Bei allen drei Aktien gab es jüngst Insiderkäufe – ein Signal, dass das Management an das eigene Potenzial glaubt. Der schnelle Kursanstieg bei Westwing kam erfreulicherweise früher als erwartet. Auch wenn in diesem Sektor weiterhin Geduld gefragt sein dürfte, steckt hier enorm viel Potential.

Relevante internationale E-Commerce-Aktien sind etwa:

  • Alibaba: Chinas größter Onlinehändler mit Plattformen wie Taobao, Tmall und AliExpress. Global einer der Big Player, trotz geopolitischem Druck und schwächelnder Heimatkonjunktur.
  • Shopify: Kein Marktplatz, sondern Infrastruktur-Anbieter: Millionen Händler betreiben ihre Online-Shops über Shopify, extrem margenstarkes Geschäftsmodell.
  • MercadoLibre: Oft „Amazon Südamerikas“ genannt. Führender Marktplatz in Lateinamerika, ergänzt durch stark wachsende Payment-Sparte Mercado Pago und Fintech-Angebote. Bei LatAm Payments sind auch Firmen wie PagSeguro, StoneCo und NuBank zu nennen.
  • JD.com: Einer der größten chinesischen Onlinehändler mit Fokus auf Eigeninventar und Logistik. Stärker vertikal integriert als Alibaba.
  • eBay: Pionier im E-Commerce. Heute v. a. stark in Nischen (Second-Hand, Spezialmärkte), global aber nach wie vor relevant.
  • Pinduoduo: Ursprünglich Social-Commerce-Plattform in China, inzwischen global durch Temu bekannt. Extrem starkes Wachstum, aggressives Preismodell, Marktanteile v. a. in den USA und Europa.
  • Rakuten: Japans führender Marktplatz, kombiniert E-Commerce mit Fintech, Banking und Mobile. National stark, international aber hinter Amazon & Co. zurückgefallen.
  • Allegro: Marktführer in Polen, mit starker Stellung in Osteuropa. Eine Art „Amazon Polens“.
  • Etsy: Spezialisiert auf Handgemachtes, Vintage und Nischenprodukte.
  • Wayfair: Fokus auf Möbel & Home. Einer der größten in den USA, kämpft aber mit schwachen Margen und schwankender Nachfrage.
  • Chewy: US-Spezialist für Tierbedarf mit treuer Kundschaft und wachsendem Abo-Modell.
Weitere Sektoren

Ebenfalls unter Druck stehen Health-Care-Aktien, vor allem aus den Bereichen Pharma und Biotechnologie. Bei Pharmawerten sorgen die Zölle für Unsicherheit. Zusätzlich hat Trump angekündigt, die hohen Medikamentenpreise in den USA senken zu wollen. Während sich die Zollthematik wohl lösen ließe, wäre eine Preisreduktion ein ernsthaftes Problem, denn viele Pharmahersteller erwirtschaften den Großteil ihrer Umsätze in den USA.

Der Biotech-Sektor erlebte ähnlich wie E-Commerce während Corona einen Hype, geriet danach aber zunehmend in Vergessenheit. Heute ruhen die Hoffnungen vieler Anleger auf einem Durchbruch im Kampf gegen Krebs (Biontech gilt hier als aussichtsreich). Sollte einem Unternehmen ein solcher Erfolg gelingen, dürfte das der gesamten Branche massiven Rückenwind verleihen.

Auch andere Sektoren sind in Ungnade gefallen: Luxusartikelhersteller (LVMH, Kering, Burberry), Sportartikelkonzerne (Nike, Adidas, Lululemon) sowie Consumer Staples wie Nestlé, darunter zahlreiche Alkoholproduzenten (Diageo, Campari, Pernod-Ricard, Constellation Brands, Brown-Forman). Schließlich auch die deutschen Automobilhersteller (Mercedes, Porsche, BMW, Volkswagen) und ihre Zulieferer – sie zählen angesichts multipler Problemherde zu den großen Kursverlierern.

Sondersituationen

In jedem Marktumfeld gibt es interessante Sondersituationen. Die Trade-Idee RTL (zum Beitrag) entwickelt sich – wenn auch mit Verzögerung – erfreulich: Die Aktie liegt seitdem über 20% im Plus, hat in diesem Jahr 2,50 € Dividende (ca. 8 %) ausgeschüttet, und der Niederlande-Deal wurde inzwischen von den Behörden genehmigt. Damit wird im Mai 2026 (ein Jahr später als erwartet) eine Sonderdividende von 5 € (ca. 14% auf den aktuellen Kurs) zusätzlich zur regulären Ausschüttung anstehen.

Weniger zufriedenstellend ist hingegen die Entwicklung bei Teleperformance, dem weltweit größten Callcenteranbieter. Customer Support gilt als einer der ersten klaren KI-Verlierer, entsprechend wurde die Aktie stark abgestraft. Die Gegenthese lautet: Multinationale Konzerne werden auch künftig einen professionellen Partner brauchen, der für sie je nach Anwendungsfall menschliche und künstliche Intelligenz kombiniert. In der Vergangenheit war dies fast immer Teleperformance (durchschnittlich 13 Jahre Kundenbindung).

Das Problem: Das Management scheint die Lage nicht ernst genug zu nehmen und verweist auf interne KI-Initiativen, die eher nach Buzzword-Bingo klingen als nach echter Transformation. Hinzu kommen Führungswechsel und Insiderverkäufe auf niedrigem Kursniveau, was alles andere als vertrauensbildend ist. Positiv ist immerhin, dass die Integration von Majorel (Übernahme von Bertelsmann und Saham) vorankommt. Bertelsmann und Saham erhielten jeweils rund ein Drittel der Kaufpreissumme in Form von Teleperformance-Aktien. Heute halten beide jeweils knapp 4 % und zählen damit zu den größten Anteilseignern. Auch dort muss man mit dem aktuellen Kursverlauf unzufrieden sein. Bei der aktuellen Bewertung (KGVe von 7) drängt sich ein stärkeres Aktienrückkaufprogramm (Rückkäufe laufen bereits) auf, eventuell sogar eine Privatisierung durch Private Equity. Es bleibt spannend.

Apropos spannend:

Wenn Manager ihre eigenen Aktien kaufen oder verkaufen, müssen sie das der Finanzaufsicht melden (in Deutschland der BaFin). Solche Transaktionen liefern oft wertvolle Einblicke. Verkäufe können viele Gründe haben – etwa Liquiditätsbedarf oder Diversifikation. Käufe hingegen haben fast immer nur eine Botschaft: Vertrauen ins eigene Unternehmen (oder zumindest den Willen, dieses Vertrauen zu signalisieren).

Unter der Rubrik Insiderdaten veröffentlichen wir die neuesten Managertransaktionen (inkl. Fünfjahres-Historie). Über den Button „Kostenlose E-Mail Updates erhalten“ könnt ihr euch für unseren wöchentlichen Newsletter (immer freitags um 7 Uhr) anmelden, der die relevantesten Käufe der Woche nach Größe sortiert zusammenfasst. Zusätzlich könnt ihr individuelle Benachrichtigungen einrichten: Etwa ab einer bestimmten Tradegröße oder für ausgewählte Unternehmen und Manager. Sobald ein passender Deal gemeldet wird, erhaltet ihr automatisch eine E-Mail.

Der Service ist neu und kostenlos – probiert es gerne aus und gebt uns Feedback.

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