RTL-Aktie: Dividenden- statt Quotenrekord?

Eine alte Börsenweisheit besagt, dass man von Firmen mit Geschäftsmodellen, die langsam aber sicher abgelöst werden, lieber die Finger lassen sollte. In die Kategorie „langsam aber sicher abgelöst“ gehört zweifelsfrei das lineare TV. Während der ein oder Andere überrascht sein dürfte wie langsam dieser Niedergang von statten geht, dürfen sich zumindest bei der langfristigen Tendenz alle einig sein: Das lineare TV nimmt ab und die Zahlen belegen das.

Vor einigen Monaten bin ich dann auf einen interessanten Bericht von Gané (zum Artikel) gestoßen, der sich mit einer besonderen Situation rund um die RTL-Aktie beschäftigt. Dabei geht es um den geplanten Verkauf des Niederlandegeschäfts und das damit verbundene Potenzial für Dividendenjäger. Grund genug sich RTL trotz des drohenden Niedergangs des linearen TV genauer anzuschauen.

Der Deal: RTL verkauft sein Niederlandegeschäft

RTL hatte ursprünglich vor, sein Geschäft mit 8 Sendern und ca. 800 Mitarbeitern in den Niederlanden durch eine Fusion mit Talpa Network zu stärken. Dieser Plan scheiterte jedoch an den Kartellbehörden. Als Reaktion darauf beschloss RTL, das gesamte Niederlandegeschäft an DPG Media für 1,1 Milliarden Euro zu verkaufen. Doch Abschluss des Deals steht noch unter dem Vorbehalt der regulatorischen Genehmigungen. Auch deshalb dürfte der Aktienkurs von RTL bei Bekanntgabe Ende 2023 “nur 5% gestiegen sein” (Auf damals 34 Euro). Das Ergebnis und der Abschluss wird für Ende 2024 erwartet. Der Käufer DPG Media ist vor allem im Zeitungsbereich aktiv und war bislang im niederländischen TV-Markt nicht tätig. Deshalb hält Gané ein Verbot des Deals für unwahrscheinlich. Positiv ist außerdem, dass RTL und DPG bereits in der Vergangenheit erfolgreich zusammengearbeitet haben. 2022 verkaufte RTL sein Belgien-Geschäft an DPG.

Die Dividendenchance: Normale und Sonderdividende

Spannend an diesem Deal ist die geplante Ausschüttung an die Aktionäre. RTL fährt seit Jahren eine Dividendenpolitik, wonach 80% des Gewinns an die Aktionäre ausgeschüttet werden. Dies gilt nach Angaben von RTL auch explizit für den Niederlande-Deal. Rund 800 Millionen des Verkaufspreises sind steuerfrei. Werden davon 80% ausgeschüttet, entspräche das einer Sonderdividende für die Aktionäre in Höhe von mindestens 4 Euro pro Aktie (genau 4,12€). Zusätzlich kommen die 80% Ausschüttung des Nettoergebnisses aus dem normalen Geschäftsbetrieb. Dieser wird 2024 voraussichtlich 2,75 Euro pro Aktie betragen.

Insgesamt könnten Aktionäre also von einer Ausschüttung in Höhe von mindestens 6,75 Euro pro Aktie profitieren. Bei einem Aktienkurs von rund 29,50 Euro (Stand: Ende August) entspricht das einer Rendite von 23%.

Was passiert, wenn der Deal scheitert?

Natürlich gibt es auch ein gewisses Risiko. Sollte der Deal wider Erwarten nicht zustande kommen, bleibt immer noch die reguläre Dividende von 2,75 Euro (Szenario 2). Das entspricht einer Rendite von etwa 9%. Ein Szenario, in dem RTL keinerlei Dividende ausschüttet (Szenario 3), ist möglich, halte ich persönlich für äußerst unwahrscheinlich, da das operative Geschäft der Gruppe nach eigenen Angaben weiterhin stabil läuft. Potentielle Kursgewinne oder -verluste werden hier nicht berücksichtigt.

1) Normale Dividende & Dealdividende = 2,75€ + 4€ = 6,75€ (ca. 23% des aktuellen Kurses von 29,5€)

2) Normale Dividende & Deal wird abgesagt = 2,75€ + 0€ = 2,75€ (ca. 9% des aktuellen Kurses von 29,5€)

3) Keinerlei Dividende = 0€ = 0% Rendite

RTL Aktie: Szenarien ohne Absicherung

Absicherung des Kursrisikos mit Put-Optionen

Wer das Kursrisiko ausklammern und ausschließlich auf potentielle Dividendenzahlungen setzen möchte, kann zu Optionen greifen. Verwendet werden können beispielsweise die Optionsscheine der DZ Bank (ISIN: DE000DJ39HE5). Der Basispreis liegt bei 30€, und die Option kann jederzeit als amerikanische Option bis spätestens zum 20. Juni 2025 ausgeübt werden. Mit einem angekündigten Dividendentermin Ende April 2025 und einer Entscheidung über den Deal, die noch im Jahr 2024 erwartet wird, bietet diese Laufzeit ausreichend Flexibilität.

Der Preis des Optionsscheins lag per Ende August bei 0,38 €, bei einem Bezugsverhältnis von 10:1, was Kosten von 3,80 € pro Aktie zur Absicherung bedeutet.

Obwohl diese Absicherung relativ teuer ist (etwa 13% des Aktienkurses in Höhe von 29,50€), kann das Verlustrisiko nach unten effektiv begrenzt werden, ausgenommen das Emittentenrisiko. Gleichzeitig besteht die Möglichkeit, von Kurssteigerungen zu profitieren. Sollte der Deal erfolgreich abgeschlossen werden (Szenario 1), dürfte der Kurs entsprechend anziehen und es winken neben Dividendenzahlungen auch Kursgewinne. Sollte der Deal jedoch scheitern, kommen Szenario 2 oder 3 in Frage.

1) Normale Dividende & Dealdividende = 2,75€ + 4€ = 6,75€ – 3,80€ Optionskosten + 0,50€ Kursgewinn (30€ – 29,5€) = 3,45€ (10% der investierten 29,50€ + 3,80€ = 33,3€)

2) Normale Dividende & Deal wird abgesagt = 2,75€ + 0€ = 2,75€ – 3,80€ Optionskosten + 0,50€ Kursgewinn (30€ – 29,5€) = -0,55€ (-2%)

3) Keinerlei Dividende = 0€ = 0€ – 3,80€ Optionskosten + 0,50€ Kursgewinn (30€ – 29,5€) = -3,30€ (-10%)

RTL Aktie: Szenarien mit Absicherung

Fazit: Eine spannende Chance mit gutem Chancen-Risiko-Verhältnis

Der potenzielle Deal zwischen RTL und DPG Media bietet eine spannende Gelegenheit für Dividendenjäger. Sollte der Verkauf wie erwartet abgeschlossen werden, winkt eine satte Sonderdividende, die zusammen mit der regulären Ausschüttung eine Dividendenrendite von über 20% ermöglicht. Gleichzeitig bietet die Absicherung mit Put-Optionen eine Möglichkeit, das Kursrisiko zu minimieren, allerdings deutlich auf Kosten der Performance.

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